Die Banalität des Blöden

Alle Jubeljahre lasse ich mich überreden einen Bestseller zu lesen. Jedes Mal habe ich mich hinterher geärgert. Dieses Mal über „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.“ Zunächst einmal wird das Buch als „Schelmenroman“ angepriesen. Auch wenn ich den Ausdruck nicht besonders mag, bin ich gerne bereit zuzugeben, dass unter diesem Label doch ein paar lesenswerte Bücher erschienen sind: Don Quijote, Simplicissimus und Til Eulenspiegel zählen sicher nicht zu den schlechtesten Werken der Weltliteratur. Der Hundertjährige hingegen schon. Im Vergleich zu den Archetypen des Genres, die bei aller Unbildung doch über eine gewisse Bauernschläue verfügen, ist der Schwedenopa ganz einfach bloss strunzendoof. Trotzdem macht er im Laufe seines „abenteuerlichen“ Lebens die Bekanntschaft der mächtigsten Menschen seiner Zeit. Klar, dass der Alte, der schon in jungen Jahren das ungestüme Temperament eines inkontinenten Rentners besaß, Blutsäufer wie den Generalissimo Franco und den Großen Vorsitzende Mao schwer beeindruckt haben muss. Womit auch immer. Zu unterstellen, dass die sich von jedem dahergelaufenen Schwachmaten hinters Licht führen liessen, ist nicht nur eine gewagte Theorie, wenn sich dieser Vorgang auf arg ähnliche Weise ständig wiederholt, ist das schlicht und ergreifend langweilig. Warum so ein Buch ein Bestseller wird, zählt für mich zu den ewigen Rätseln der Menschheit. Die einzige Erklärung die mir einfällt ist, dass es sich als taugliches Hypnotikum für Schlaflose erwiesen hat, denn etwas wahnsinnig ermüdendes hat der debile Opa zweifellos.

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